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Chronik

des

Kreisverbandes Aue

der

"Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter"

Zusammengestellt und bearbeitet von Lothar Fritzsch und Gerd Reich

1997

Entstehung der Gärten

Die ersten Gärten sind etwa 7000 Jahre vor unserer Zeitrechnung im asiatischen Raum entstanden und waren ein wichtiger Faktor im Prozeß der Seßhaftwerdung des Menschen. In Mitteleuropa entstanden sie erst 3000 Jahre v. u. Z., die Germanen jedoch brauchten bis zum ersten Jahrhundert u. Z., bis sie die ersten Gärten schufen.

Unter Garten versteht man ein festabgegrenztes Gebilde, welches zum Anbau von Nutzpflanzen dient. Zwei wichtige Kennzeichen markieren einen Garten. Einmal eine tatsächliche oder ideell abgegrenzte Fläche durch einen Zaun, Mauer, Hecke oder ein natürliches Hindernis. So wurde der erste Zaun als Schutz vor den Tieren des Waldes oder feindlich gesinnte Nachbarn durch in die Erde gesteckte Gerten (Stöcke und Zweige) errichtet. Aus dem gotischen Wort "garda" für umgärten, umzäunen entwickelte sich das deutsche Wort "Garten".

Das zweite Kennzeichen eines Gartens sind natürlich die Pflanzen. Während auf dem Acker oder dem Feld für die Ernährung von Mensch und Nutzvieh die notwendigen Früchte in großer Menge angebaut wurden, enthielt der Garten all die Kulturpflanzen, die man als "Zukost" bezeichnen kann. Vorwiegend Gemüse- und Obstarten, Gewürze, Heilkräuter und später natürlich auch Zierpflanzen, waren und sind typische Gartenpflanzen.

Mit dem Entstehen der Klassengesellschaft veränderte sich auch der Charakter der Gärten. Waren es in der Urgesellschaft reine Nutzgärten, die zur Ernährung der Großfamilien oder der Sippe beitrugen, erhielten sie nun noch Repräsentationsmerkmale.

Die "Hängenden Gärten" des antiken Babylon, der assyrischen Göttin Semiramis geweiht, wurden zu den 7 Weltwundern der Antike gezählt. Die Gärten befanden sich auf mehreren übereinandergetürmten Terrassen einer 50 m hohen Pyramide. Auf einer aufgebrachten Erdschicht wuchsen Bäume und Sträucher, die künstlich bewässert wurden.

Die dazu notwendigen Wasserbassins befanden sich auf den einzelnen Terrassen und erzeugten gleichzeitig die notwendige Luftfeuchtigkeit.

Die Konzentration des Besitzes an Grund und Boden in der Hand weniger, drängte den Gärtner in die Rolle des Dienenden oder des Pächters.

Die Bodenpacht war das Mittel, das zur effektiven Nutzung der Bodenflächen zwang. Als Pachtzins wurde ein Anteil am Ertrag festgelegt. Bei nichterwirtschafteten Zins drohten dem Gärtner drakonische Strafen, bis zum Verlust der Habe und der persönlichen Freiheit.

Im Feudalismus pflegten die Klosterwirtschaften den Gartenbau und die Gartenkultur. Der Bürgergarten vor den Toren der engen mittelalterlichen Städte und der Bauerngarten dienten der Erzeugung von Obst, Gemüse, Kräutern und Heilpflanzen.

Die repräsentative Baukunst des 17. und 18. Jahrhunderts verstand den Garten als Teil der Architektur, mit eigenwilliger Bepflanzung und skurrilem Beschnitt verlor die Gartenkunst den Bezug zur Natürlichkeit.

Die Rückbesinnung brachte das ausgehende 18. Jahrhundert, wo ganze Landschaften durch die behutsam ordnende Hand des Gärtners gestaltet wurden.

Der Kleingarten auf einem Stück Pachtland, der nicht einer Erwerbstätigkeit diente, ist seit Beginn des 19. Jh. nachweisbar.

1814 entstand in Kappeln an der Schlei (Schleswig- Holstein) der erste Kleingartenverein und im Leipziger Johannistal wurden um 1832 Armengärten errichtet.