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Dr. Schreber, ein streitbarer Arzt und ein Werk, das seinen Namen trägt

Dr. Daniel Gottlieb Moritz Schreber schrieb mehrere Bücher, in keinem befindet sich auch der geringste Hinweis auf die wunderwirkende Kraft der kleinen Gärten.

Er war Orthopäde, ein streitbarer Praktiker, der auf Luft und Wasser setzte, auf einfache, natürliche Bewegungsformen. Körper und Geist sollten sich in "Selbsttätigkeit" harmonisch entwickeln. Es muß überaus neu gewesen sein, was der Arzt 1855 in seinem Büchlein "Ärztliche Zimmergymnastik ..." an Übungen empfahl, es erlebte über dreißig Nachauflagen.

Der Anblick schmalbrüstiger Arbeiterkinder in der Industriestadt und die staubigen Erziehungs-maxime braver Bürger, die ihre Sprößlinge als puppenhafte Erwachsene streng und steif hielten, mögen den Arzt zu seinen Schriften veranlaßt haben. Er ist Mitbegründer eines Turnvereins, und ein Freibad, in dem sich bis heute Sommers Jugend tummelt, ist ihm zu verdanken. Wenn er auch keine Gärten empfahl oder gar gründete, so hat er doch modernen, der Gesundheit dienenden Auffassungen und Therapien den Weg geebnet.

Am 10. November 1861 verstarb der Leipziger Arzt Dr. Schreber, der landläufig als Begründer der Kleingartenbewegung gilt.

Es war ein ganzer Kreis engagierter Persönlichkeiten, der sich in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts für Reformen der Lebensgewohnheiten einsetzte. Dr. Ernst Hauschild, Rektor in der Leipziger Westvorstadt, wollte im Sinne Schrebers den ersten Spielplatz der Stadt einrichten, wo Schulkinder - angeleitet von fortschrittlichen Pädagogen - turnen, klettern und umhertollen konnten. In "Pädagogischen Briefen" an Väter, Mütter, Lehrer warb Hauschild für seine Idee. 1864 - drei Jahre nach dem Tode von Dr. Schreber - bildeten 253 Männer und Frauen aus dem Bürgertum den "Schreberverein", um seinem ungewöhnlichen Wunsch Nachdruck zu verleihen.

Aufsicht auf der grünen Schreberwiese führte der Lehrer Karl Gesell, ein Anhänger Fröbels. "Spielvater Gesell" war es auch, der die Kinder angeregt haben soll, ihre Wiese mit Blumen-beeten abzugrenzen. Der erste Spatenstich zum Schrebergarten war getan. Denn aus Kinder-beeten wurden "Familienbeete", aus dem so erfolgreichen Verein zur Schaffung einer Spielwiese der Kleingartenverein Dr. Schreber. 1870 gab es in der Anlage bereits 100 Gärten und zwei Brunnen.

1876 erschloß der Verein in der Aachener Straße ein neues Areal, dessen ursprünglicher Charakter bis heute erhalten ist. Drei Straßenbahnstationen vom Hauptbahnhof entfernt liegt die Oase mit 160 Gärten, sie sind durchschnittlich 170 m² groß, niedrige Lattenzäune grenzen sie ein.

Die historische Kleingartenanlage "Dr. Schreber", die Ur-Schrebergärten, stehen unter Denkmalschutz.

Der Gedanke Dr. Schrebers, insbesondere Arbeiterkinder bei Sport und Spiel an der Luft zu betreuen, setzte sich bis in die Inflationszeit fort, wo vom Schularzt ausgesuchte, unterernährte Kinder hier jeden Nachmittag eine Tasse Milch und eine Semmel erhielten.