Sie befinden sich hier: Geschichte  >  Verein für natu...

Verein für naturgemäße Gesundheitspflege Aue und der Weg zur Kleingartenbewegung

Am 28. März 1886 gründeten einige Auer Bürger einen "Verein für naturgemäße Gesundheits-pflege und arzneilose Heilkunde für Aue und Umgebung".

Initiator und 1. Vorsitzender war Herr August Müller aus Klösterlein-Zelle.

Die Vereinsziele umfaßten die vorbeugende (präventive) und die therapeutische Anwendung der natürlichen Wirkfaktoren - Wasser, Licht, Wärme - aber auch die Bewegung in frischer Luft, vernünftige Ernährung, zweckmäßige Bekleidung.

Es ist kaum anzunehmen, daß die Spielideen der Leipziger Pädagogen diesen Verein beein-flußten, wohl aber Dr. Daniel Moritz Schrebers Schriften, die Erkenntnisse des Naturarztes Vincent Prießnitz (1789 - 1851), die Heilerfolge des Pfarrers Sebastian Kneipp (1821 - 1897) oder die Trockendiät des Johann Schroth (1800 - 1856).

Das Vereinseigentum bestand 1888 aus einer Bibliothek (Geschenk von Geheimrat Zimmermann - Chemnitz / Berlin) und einer eigenen Badeanstalt für Wannenbäder. Durch Vorträge und gemeinsame Ausflüge in die ländliche Umgebung oder in das benachbarte Böhmen gestaltete man das Vereinsleben. Der Verein zählte bald über 200 Mitglieder.

Der Unterhalt des Wannenbades überforderte die finanzielle Kraft der Mitglieder, so daß es in Privathand verkauft werden mußte.

Eine Belebung erfuhr der Verein, als der Naturheilkundige Theodor Richter, der "Wasser-doktor", um 1890 für Vorträge und schließlich für den Vorsitz gewonnen wurde. Er stellte an bestimmten Tagen den Mitgliedern seine Badeanstalt und seinen fachlichen Rat zu ermäßigten Preisen zur Verfügung.

Naturheilvereine wie dieser, waren an vielen Orten in Deutschland entstanden und gründeten 1888 eine deutsche Bundesorganisation.

1892 Bundesversammlung in Dresden.

1896 auf einer Bundesversammlung in Kassel beschloß man die Gliederung in regionale Gruppen, wobei der Auer Verein Mitglied der Gruppe Zwickau wurde.

Jährliche Gruppenversammlungen, wie 1905 in Waldenburg oder 1906 in Meerane; die Entsen-dung von 7 Delegierten zum Verbandstag nach Weißenfels (1906) und eine rege Vortrags- und Versammlungstätigkeit in den Vereinen zeugen von der Aktivität der Verbandsgruppe Zwickau (38 Vereine mit 7.143 Mitgliedern).

Aus den Anwesenheitslisten der Vorstandsversammlungen läßt sich feststellen, daß die Führungsriege des Auer Vereins dem Kleinbürgertum zuzuordnen war.

Daß ein Teil der Mitglieder dem Arbeiterstand angehörte, ist einem Hinweis aus dem Jahre 1906 zu entnehmen, der besagt: "Vereinsmitteilungen zukünftig auch in der -Volksstimme- zu veröffentlichen, da diese Zeitung von den Arbeitern gelesen werde".

Viele Mitglieder wünschten sich, ihre knapp bemessene Freizeit gemeinsam mit der Familie in der Natur zu verbringen, den körperlichen Ausgleich für die Bereicherung des häuslichen Speiseplans einzusetzen. Wenn auch nicht im Protokoll vermerkt, so dürfte doch dieser Wunsch bei der Auer Generalversammlung im Januar 1905 angesprochen worden sein. Der Vertreter des Gruppenvorstandes, Herr Gottfried Strobelt aus Oberschlema, unterstützte jedenfalls den Teil der Mitglieder, die am 4. März 1905 den "Naturheilverein Prießnitz" gründeten und sofort an die Errichtung einer Kleingartenanlage gingen.

Am 23. Juli 1906 konnte die Weihe der ersten Gartenanlage auf dem Zeller Berg vorgenommen werde.

Trotz der Spaltung gelang es dem Naturheilverein I noch im gleichen Jahr das "Luft- und Sonnenbad" unterhalb des Floßgrabens auf "Gruners Grundstück" zu eröffnen und es mit einigen Sportgeräten zu besetzen, der Verein war wieder auf 172 Mitglieder angewachsen. Nach Beilegung aller Streitigkeiten und Zurückstellung der Vorbehalte gegen ehemalige Mitglieder wurden heilkundliche Vorträge mit "Prießnitz" gemeinsam organisiert.

Einen Besuch des Zwickauer Johannisbades nutzten die Beteiligten zur Besichtigung einer Kleingartenanlage, das entsprach dem Wunsche mehrerer Vereinsmitglieder, die gleichfalls Gärten errichten wollten.
Auf einem gepachteten Feldgrundstück am Eichert entstand bald die zweite Auer Gartenanlage, am 16. August 1908 fand die Gartenweihe mit einem Garten- und Kinderfest statt. Der "Gründervater" des Naturheilverein I, August Müller, stiftete die Bundesflagge.
Im Jubiläumsjahr 1911 meldete er sich noch einmal zu Wort und beschwor die Gartenfreunde, die Ziele der Naturheilbewegung zu bewahren.

Die Gedenkschrift zum 25-jährigen Vereinsjubiläum verwies auf eine seit mehreren Jahren bestehende Sängerabteilung, die bei Vereinsabenden Proben ihres Könnens abgab. Zur Festveranstaltung brachten die Damen und Herren des Vereins ein Lustspiel zur Aufführung.

Noch vor dem 1. Weltkrieg, aber vor allem in den 20-iger Jahren entstanden in Aue weitere Kleingartenanlagen, über die noch zu berichten ist.

Diese Schrift gibt im folgenden Textstellen der Chronik des Kleingartenvereins "Aue-Eichert I" wieder, des Vereins, der in der Tradition des Naturheilvereins I steht.
Der Gewerkschafter Gartenfreund Fritz Hirthe und der Gartenfreund Helmut Hecker schrieben sie in den 60-iger Jahren nieder, das Quellenmaterial ist erfreulicherweise auch jetzt noch zugängig.