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Weitere Auszüge aus der Chronik des Klgv. "Aue-Eichert I" (Naturheilverein I)

Das Garten- und Jubiläumsfest 1933 (25 Jahre Kleingartenanlage) fand bereits unter dem faschistischen Regime statt. Nach einem dreifachen Hoch auf das deutsche Vaterland, Hindenburg und Hitler, wurde von den versammelten Mitgliedern das Deutschlandlied gesungen.

Zwei Tage darauf, am 23. Mai 1933, erfolgte durch den kommissarischen Vertreter der Garten-bauvereine aus Zwickau die "Gleichschaltung" des Vereins.
Hauptversammlung am 27. Januar 1934: Wichtigster Punkt - die Satzungsänderung; u. a. wurde der Name "Naturheilverein I, e. V. Aue" in "Kleingartenverein I, e. V. Aue-Eichert" geändert. Der Vereinsvorstand trat zurück und der bisherige 2. Vorsitzende übernahm die kommissarische Geschäftsführung, entsprechend der neuen Satzung. Durch Verlesen eines Schreibens der Stadt-gruppe Zwickau wurde der bisherige Vorsitzende, Walter Höfer, zum "Vereinsführer" ernannt, er bestimmte seinen Stellvertreter, den Kassenwart, Schriftführer, Rechnungsprüfer, Jugendwart. (Ein Glücksumstand, daß die bewährten Vorstandsmitglieder ihre Arbeit fortsetzen konnten.) Die Krönung der Versammlung war die Überreichung eines Führerbildes für das Vereinsheim.

Um den Geist jener Periode zu charakterisieren, der sich auch in den Reihen unserer Kleingärtner bis zu einem gewissen Grade ausbreiten konnte, ist es interessant, was beispielsweise in den Vorworten der Jahrbücher für den Kleingärtner 1938 - 1942 zu lesen war.
Da wird von großen Aufgaben im Rahmen der "Erzeugungsschlacht" zur Erringung der Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes - einem Werk des Führers - gesprochen. Der städtische Mensch soll wieder zur "Urzelle allen völkischen Lebens - zum Boden" zurückgeführt werden.
Der Frau kommt im Kleingartenwesen eine besondere Rolle zu, sie wird zur "Hegerin und Walterin des völkischen Lebenswillens" erklärt.
Der Führer des Reichsbundes Deutscher Kleingärtner verstieg sich 1941/42 zu folgender Äußerung: "Heute ist nicht nur Deutschland erwacht, sondern selbst Europa hat die besten Kräfte gegen den völkermordenden Bolschewismus ins Feld geführt ..."

Daß solche Thesen bei den 1,2 Mio. Kleingärtnern nicht ohne Resonanz blieben, ist ohne Zweifel; jedoch kann man sagen, daß der überwiegende Anteil der Mitglieder unseres Vereins sich in keiner Weise in der friedlichen kleingärtnerischen Arbeit stören ließ.
Für den seinerzeitigen Vorstand samt seinen Vorstandsmitgliedern, sie waren überwiegend ältere, konservative Gartenfreunde, die nicht alles mitmachten, war es schwierig, sich den Anordnungen von "oben" zu beugen und alles mit dem Willen der Mitglieder in Einklang zu bringen.

Die Vereinsführung dieser Jahre verstand es, das Vereinsleben mit den entsprechenden Lustbarkeiten in dem Wohnbezirk Bergfreiheit und dem Ortsteil Eichert zu organisieren. Die regelmäßigen Gartenfeste, verbunden mit Veranstaltungen für Kinder, die meist im Hochsommer stattfanden und vom Sonnabend bis Montag dauerten, waren zweifellos Höhepunkte für viele Mitglieder nebst Verwandten, Bekannten und auch außenstehenden Bürgern. Mehrere Handwerker, Gewerbetreibende und sonstige bemittelte Vereinsmitglieder unterstützten freiwillig - meist mit Geld oder handwerklicher Arbeit - diese Feste, obgleich bekannt war, daß einige dieser Spender unter "freiwilligem Zwang" gaben.

Diese Feste erfreuten sich der wohlwollenden Duldung der Oberen, festigten sie doch die "Volksgemeinschaft", wie man damals sagte.

Dem mehrfach veranstalteten Abschlußfeuerwerk am Montagabend, sahen mehrere hundert Kleingärtner und andere Bürger zu, ohne dabei zu ahnen, daß das Regime bald das schaurigste Riesenfeuerwerk aller Zeiten entfachen würde.

Zur Schulungstätigkeit. - Unter dem Begriff der Fachberatung ist das Wirken des Berufs-schullehrers Martin zu nennen, dessen Vorträge rein fachlich betont waren. (Unterkulturen, Obstbaumschnitt, Schädlingsbekämpfung, Vogelschutz, Kompostierung). Durch Lichtbilder unterstützt, erfreuten sich diese Vorträge großer Beliebtheit. Sein Ziel, die überalterte Anlage nach gartenbautechnischen Grundsätzen zu rekonstruieren, wurde durch das zögerliche Handeln der Gärtner nicht erreicht.

Die Frauenbewegung des Vereins, die 1930 ins Leben gerufen wurde, versammelte sich öfter im Vereinshaus. Ihr oblag die Kinderbetreuung bei Gartenfesten und die Ausschmückung des Saales. Ein kleiner Männerchor umrahmte durch Gesangsdarbietungen diese Festlichkeiten.

Einem Einzelprotokoll des Jahres 1936 ist zu entnehmen, daß die Gesamtmitgliederzahl des Vereines "Aue-Eichert I" seinerzeit 366 Personen betrug. Die traditionelle Jugendpflege des Vereins wurde durch die Gründung einer Hitlerjugendgruppe in andere Bahnen gelenkt.

Am 22. März 1936 trafen sich ca. 100 Gartenfreunde zur Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgte Gründung des Naturheilvereins I Aue. Man beschloß, dem ersten Vereinsvorsitzenden, Karl August Müller, einen Gedenkstein mit Bronzerelief zu widmen.

1939 verwies der "Erzgebirgische Volksfreund" auf einen Naturheilverein in Schwarzenberg, der offensichtlich kein Gartenverein war sondern noch volksgesundheitliche Aufklärung betrieb. Eine nützliche Tätigkeit, der sich der NS-Staat auf eine von ihm interpretierte Weise verpflichtet fühlte. Die Gründung des Schwarzenberger Freibades im Jahr 1910 war u. a. ein Werk dieses Vereins.

Am 18. März 1939 feierte er sein 50-jähr. Bestehen, er selbst bezeichnete sich als Mitglieds-verein des "Deutschen Bundes der Naturheilvereine (Prießnitzbund)" unter Bundesführer Schirrmeister (Berlin). Schirrmeister stand dem Bunde bereits vor, als der Naturheilverein I Aue im Jahr 1919 seinen Austritt erklärte.

1938

Bestimmungen über die Förderung von Kleingärten des Reichsarbeitsministers

Der Reichs- und preußische Arbeitsminister gab einen Erlaß heraus, wonach die Kleingärten als gleichberechtigte volkisch und wirtschaftlich wertvoll Einrichtung dastehn.

Den Kleingärten muß eine größere Bedeutung zukommen.

    • Kleingärten dürfen nicht für Erwerbszwecke, sondern nur zur Eigenversorgung genutzt werden.
    • Kleingartenanlagen sollen nicht mehr abgesperrt sein, sondern der Allgemeinheit zugänglich sein.
    • Kleingärtnerische Nutzung muß auf lange Sicht gesichert sein.
    • Nur geeignete Volksgenossen dürfen einen Kleingarten bewirtschaften.
    • Die Teilnahme an Fachberatungen wird als sehr wichtig erachtet.
    • Mitglieder bekamen ihren Ausweis erst nach dem Besuch des Grundlehrganges.
    • Kleingartenanlagen - Teil der öffentlichen Grünanlagen.
    • Gärten, die zu weit von den Wohnungen entfernt sind, sind ungeeignet.
    • Die Größe eines Kleingartens sollte ca. 400 - 500 m² sein, mindestens aber 300 m²
    • Errichtung von Anlagen mit Hilfe von Reichsdarlehn.
    • Anlagen sollten aus mehr als 20 Gärten bestehen, sonst sind sie nicht förderungsfähig.
    • Vereine, die die Gemeinnützigkeit verlieren, können das Pachtverhältnis nicht weiter fortsetzen, wenn sie aus der Landesgruppe ausgeschlossen sind, sind alle Pachtverträge nichtuig.
    • Wanderpreis "Goldener Spaten" Die Stadt die gewinnt, bekommt 3000 Mark, die dem Kleingartenwesen zu Gute kommen sollen.
    • Es wird Wert darauf gelegt, daß die Gärten ein Schmuckstück für die betreffende Gemeinde oder Stadt bilden, möglichst einheitliche Lauben und Wegeanlagen.

1940

Der Vereinsführerausweis für den Verein "Gartenfreunde Lößnitz" wurde nicht in Aue, sondern von der Kreisgruppe in Zwickau ausgestellt

Lauben sollen in Gärten von 300 m² nicht größer als 12 m² sein.

1941

In den Kriegsjahren, in denen ja ein größer Mangel an Lebensmitteln bestand, waren die Früchte der Kleingärtner auch leider nicht nur für den Kleingärtner selbst, sondern auch für Diebe eine Bereicherung des Nahrungsmittelbedarfs.

Im "Eibenstocker Tageblatt" wird vor Obstdiebstählen gewarnt, Ertappte werden angezeigt und bestraft.

Allerdings sind Kulturen nicht gegen Einbruchdiebstahl versichert, sie stehen im Freien, somit ist es nur Diebstahl. Die Kleingärtner müssen ihre Gärten selbst gut bewachen, es wird empfohlen, daß mindesten in jedem dritten Garten , sich auch über nacht jemand aufhält, um Wache zu halten.

Als gemeinnützige Vereine werden nur Vereine anerkannt, die dem Reichsbund der deutschen Kleingärtner angehören.

Die Befugnisse der Kleingarten- und der Pachtlandordnung werden von der unteren Verwaltungsbehörde ausgeübt.

Vereine, die ihren Grundbesitz für Zwecke der Volksgesundheit nutzen, sind Grundsteuer frei. Voraussetzung dafür ist eine Bescheinigung vom Gesundheitsamt.

Die Vereinsleiter werden darauf hingewiesen, daß Mitteilungsblätter des Gauringes und Rundschreiben nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, somit nicht ausgehängt werden dürfen, sondern nur als Grundlage zur Arbeit des Vereinsleiter gelten.

Sehr wichtig für die Kleingärtner ist es, wie sie ihr Saatgut für die kommend Saison beschaffen können, 1941 war dieses über den Handel möglich, nur Zwiebeln, Porree und Sellerie war nicht zu bekommen.

1942

Um die Versorgung mit Obst und Gemüse verbessern zu können, mußte in den Kleingartenanlagen die Anbaufläche um mindestens 20% vergrößert werden. Deshalb sollten Spielplätze zum

Obstanbau genutzt werden und Blumenrabatten reduziert werden.

Wer seinen Garten nicht richtig nutzt, sollte ihn lieber abgeben. Der Bedarf an Obst und Gemüse war sehr hoch. So mußten die Kleingärtner auch die Lazarette spenden. Für die Verwundeten sollten Beeren, Obst und Blumen, möglichst aber Fruchtsäfte gespendet werden.

Sämereien und Pflanzgut war sehr schwer erhältlich, besondere Zuteilung gab es bei Petroleum, was zu dieser Zeit aber fast lebenswichtig war. Dieses Petroleum gab es nur über Bezugsscheine, welche wiederum nur Vereine bekamen, die dem Reichsbund angeschlossen sind. Die Kleingärtner mußten nachweisen, daß sie sich dauernd in ihrem Kleingarten aufhalten und ihre Stadtwohnung in der Zeit von April bis Oktober nicht nutzen.

Selbst Einkochgläser gab es auf Zuteilung, nämlich 30% von der Menge des Vorjahres.

Es wurden Frauenfachberatungen durchgeführt betreffs der richtigen Verwertung der Gartenerzeugnisse.

Es bestand enorme Knappheit an Sämereien und Pflanzgut, so mußten die Gärten vor Wildfraß geschützt werden, da Material für Nachpflanzung fehlte. Nach eingeholter Genehmigung beim Kreisjägermeister durften Wildkaninchen innerhalb der Anlagen geschossen werden.

Die Zweigstellen mußten an den Landesbund Meldung erstatten, um wieviel m² die Anbauflächen innerhalb der Anlagen vergrößert wurde.

Kleintierzüchter, die Meerschweinchen züchten, müssen gemeldet werden, da sehr viele Meerschweinchen für die Serumherstellung benötigt werden.

1942 wird eine neue Verordnung über Kündigungsschutz an die Vereine gesandt:

Kleingärtnerisch genutztes Land darf vom Verpächter nicht gekündigt werden. Ablaufende Pachtverträge gelten als bis auf unbestimmte Zeit verlängert.(27.9.39)

§3 und §5 Abs. 3 Satz 2 der Kleingarten- und Pachtlandordnung treten außer Kraft.

Im Rundschreiben 4/42/V des Landesverbandes wird den Vereinen mitgeteilt, das die Redner (Dichtel und Doegen) in Vereinen nicht mehr öffentlich sprechen.

1943

So ziemlich alles, was Kleingärtner zur Instandhaltung und Bewirtschaftung ihrer Kleingärten benötigen gibt es nur noch auf Bezugsscheine, welche zum Teil durch den Bürgermeister bestätigt werden müssen. So z.B. für Holz, Eisen, Maschendraht, Dachpappe, Samen und Pflanzgut, Düngemittel, Einkochgläser, Süßstoffe und Petroleum.

Es werden Fachschaften für Kaninchenzüchter gebildet.

Gartenwarte und Fachberater sollen auch auf nichtorganisierte Volksgenossen einwirken, damit in deren Gärten Schädlingsbekämpfung betrieben wird und höchste Erträge erzielt werden.

Es wird bestimmt, daß auf allen Herbstversammlungen ein Redner der Partei sprechen soll.

In einem Rundbrief vom 7.12.43 vom Deutschen Volksgesundheitsbund e.V. wird bekanntgegeben, daß in allen Städten und sonstigen Orten die bisherigen Vereine zu einem Verein oder Vereinsgruppe des DVB zusammengeschlossen werden. Der Kreisverein übernimmt die Führung und Verantwortung im gesamten Kreisgebiet. Er vertritt die Vereinsgruppen bei Parteistellen und Behörden, pro Mitglied und Monat müssen 0,25 M gezahlt werden.

Vom 28.1.-31.1.44 gilt eine allgemeine Veranstaltungssperre, da am 30.01.44 eine Großkundgebung und Aufmärsche der NSDAP stattfinden.

Massive Gartenlauben sollen neuer Wohnraum für Luftkriegsbetroffene werden. Der Ausbau der Gartenlauben zu Wohnzwecken ist in hohem Maße förderungswürdig.