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Die Nachkriegszeit und die Entstehung des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter

Über die Jahre 1945 - 1948 wurden bisher keine Aufzeichnungen aufgefunden, einige Erinnerungen, 50 Jahre später niedergeschrieben, sollen als Überleitung dienen.

Nach dem Zusammenbruch des "3. Reiches" wurde Deutschland in 4 Besatzungszonen aufgeteilt, das Land Sachsen gehörte zur sowjetischen Zone. In den Städten und Kreisen übten sowjetische Kommandanten die Hoheitsrechte aus, das höchste Organ war die Sowjetische Militäradministration für Deutschland (SMAD) in Berlin-Karlshorst.

Noch vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in das vorher unbesetzte Gebiet Aue-Schwarzenberg im Juni 1945, hatte am 9. Mai 1945 auch in der Stadt Aue ein antifaschistischer Aktionsausschuß, bestehend aus Kommunisten, Sozialdemokraten und bürgerlichen Demokraten die Stadtverwaltung und die Stadtwerke (Gas-Wasser-Elt) übernommen und von national-sozialistischen Amtsträgern gesäubert.
Die neue Stadtverwaltung wurde durch den sowjetischen Stadtkommandanten legitimiert, kommunale Aufgaben wahrzunehmen und eine Polizei aufzubauen.
Mangels geltender Gesetze erließ die SMAD "Befehle" für deren Durchsetzung die kommunalen Verwaltungen Verantwortung trugen.

Einem solchen Befehl zufolge wurde die Tätigkeit von Vereinen unterbunden und ein Beschluß der Landesregierung Sachsen des Jahres 1946 überführte das Kleingartenland in das Eigentum der Gemeinden. Diese übernahmen bis auf weiteres die Geschäftsführung.

In den vorhandenen Kleingärten scherte man sich zunächst wenig um die Besitzfragen, entscheidend war, daß der Boden bebaut werden konnte. Viele Familienväter waren gefallen oder noch in der Kriegsgefangenschaft, so oblag den Müttern die materielle Sorge um die Familien. Frauen mußten das nötige Geld verdienen, sie mußten den Garten bebauen und schließlich dem Nahrungsmangel abhelfen, indem sie "Hamstern" fuhren. Mit Tauschwaren, wie Bettwäsche, Kleidungsstücken oder Blech- und Metallwaren im Rucksack, fuhren sie in überfüllten Zügen mit oder ohne "Reisebescheinigung" bis in die Magdeburger Börde, um etwas Eßbares zu ergattern.

Von tatkräftigen Männern und Frauen wurden in Eigeninitiative auf städtischen Grünanlagen, Ruinengrundstücken, auf Ödland, Uferzonen von Bächen sowie auf unbebauten Splitterflächen Gärten angelegt. Als Umzäunung dienten verrostete Bettgestelle, Stanzstreifen, Eisen- und Drahtabfälle. Leider passierte es oft, daß nicht der die Früchte ernten konnte, der sie mühsam gepflanzt und gepflegt hatte.
Aus diesen wilden Gründungen entwickelten sich einige der heutigen Dauerkleingartenanlagen.
Sehr schmerzlich für die Betroffenen war es, als Ende der 50-iger Jahre wegen des Wohnungs-baus in Zelle auf dem "Erlerhübel" und letztlich wegen des Baus der "Wilhelm-Pieck-Schule" eine schöne Gartenanlage aufgegeben werden mußte.
Aber zurück in die Gründerjahre der Organisation. Seit 1948 ist durch Protokollbücher wieder Vereinstätigkeit und organisierte Arbeit auf Orts- und Kreisebene nachweisbar.
Protokollauszüge des Kleingartenvereins I, Aue-Eichert der Jahre 1948 - 1953 sollen erinnern, mit welchen Problemen die Gärtner fertig werden mußten und wie aus der Organisation der Kleingärtner der "Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter" entstand.

Kleingärtner, die ihren Garten gekündigt bekamen, weil der Kleingärtner oder der Ehegatte antifaschistischer Nazi war, konnte jetzt auf eine Entschädigung hoffen.

12. April 1948:

Vorstandswahl der Kleingartenanlage "Aue, am Eichert" (Vereinigung für Kleingartenhilfe). Wahl des bisherigen Vertrauensmanns Hugo Epperlein zum 1. Vorsitzenden. Ein 12-köpfiger Gartenrat wählte Eduard Sonntag zu seinem Vorsitzenden.

Ein Beschluß: "Ehemalige Aktivisten der NSDAP und Kriegsverbrecher dürfen nicht in den Verein aufgenommen werden."
(Eine Niederschrift über den Gartenentzug für zwei frühere Funktionsträger des Vereins ist nicht auffindbar, war aber älteren Gartenfreunden bekannt.)

21. Mai 1949:

Von einer Zusammenkunft in Dresden wurde berichtet, daß die Betreuung von der "Kleingartenhilfe des FDGB" übernommen wurde.

Die Geschäftsführung wurde von der Stadtverwaltung wieder in die Hände des Vereins gelegt. Das Vereinsheim "Gartenlaube" und die Grundstücke blieben Eigentum der Stadt.

Der Pachtvertrag mit dem Rat der Stadt wurde per 1.1.1949 für 10 Jahre abgeschlossen. Gartenpächter mußten Vereinsmitglieder sein!

Vom Kommunalwirtschaftsamt wurde ein Angebot für "künstliche Düngemittel" gemacht.
Aufruf an alle Vereinsmitglieder zur freiwilligen Arbeit beim Talsperrenbau Sosa.
Auf eine Gartenbauausstellung vom 7.-18.9.1949 in Markkleeberg wurde hingewiesen.

Am 11. September 49 trafen sich dort Delegierte zur 1. Zonentagung der "Kleingartenhilfe des FDGB". Es wurde die Schaffung einer Rechtsgrundlage für das Kleingartenwesen gefordert.

22. April 1950:

Versammlung im Restaurant "Brauerei". Für die Kleingartenanlagen des Auer Tals sollte ein "Kreisvorstand" gewählt werden, dazu mußten Mitglieder aus den Vereinen gestellt werden. Die Personen des "geschäftsführenden Kreisvorstandes" wurden namentlich bekanntgegeben.

Mitgliederstärke des Kleingartenvereins Aue-Eichert: 329 aktive und 43 passive Mitglieder.

Für den verstorbenen Eduard Sonntag wurde Gfrd. Karl Winz zum Vorsitzenden des Gartenrates gewählt.

Ab 1.4.1950 neue Versicherungsbestimmungen für Gärten. Gartenlauben waren bis zu einem Betrag von 750 DM versichert, Personen (auch Ehegatten und Kinder) im Todesfall mit
1.000 DM, Kleintiere waren bis zum Wert von 60 DM versichert.

Bericht über eine Kreistagung vom 28. Oktober 1950 (im Haus des FDGB):

Aufruf an alle Mitglieder: "Beteiligt Euch an den freiwilligen Arbeitseinsätzen der Nationalen Front! Kleingärtner unterstützen die Friedenspolitik der Regierung!"

Nichtorganisierte Kleingartenvereine wurden aufgerufen, sich im Kreisverband zu organisieren. Um eine rechtliche Sicherheit zu gewährleisten, sollten umgehend neue Pachtverträge mit den Mitgliedern abgeschlossen werden.

Der Bezug einer Kleingartenzeitung wurde empfohlen. Die Schulungstätigkeit soll wieder aufgenommen werden. Die Zeitschrift "Der Kleingärtner" gibt es seit 1949

Im März 1950 erhielten die Vereine die Gemeinnützigkeit zugesprochen.

Auf der 2. Zentralausschußsitzung der Kleingartenhilfe des FDGB am 5.12.50, verständigten sich die Mitglieder der Kleingartenhilfe darauf, sich wieder vom FDGB zu trennen. Die Kleingärtnerorganisation wollte sich wieder als selbständige und unabhängige Bewegung etablieren. Doch erst Ende 1952 gründete sich der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter.

16. Dezember 1950:

Erster Schulungsabend (26 Mitglieder, 2 Gäste)

Vortrag von Lehrer Martin über: Düngung, Komposthaufen, Anpflanzung von Gemüse.

Hochstämme gehörten nicht in den Kleingarten! Übergabe eines Schreibens an den Kreisvorsitzenden Ernst Weiß (als Gast) wegen Rückgabe des Vereinsgeländes und des Gartenheimes sowie einer Resolution zu einem Schreiben des Ministerpräsidenten Otto Grotewohl an die Westmächte.

20. Januar 1951:

Nächster Schulungsabend (20.25 Uhr bis 23.00 Uhr)

Wahl der Delegierten für die Kreistagung am 3. Februar 1951, Gast war wieder der Kreisvorsitzende Ernst Weiß.

24. Februar 1951:

Kreisvorsitzender Weiß teilte mit, daß eine Räumung der "Gartenlaube" und ihre Verwendung für Vereinszwecke abgelehnt worden sei.

Für den Hilfsfonds "Korea-Hilfe" wurden 500 DM gespendet.

Es wurde festgestellt, daß die Enteignung des Grund und Bodens des Vereins nicht begründet sei. Aue wollte keine Beitragsmarken einführen. Ein Exemplar der Kleingartenzeitung wurde kostenlos an jede Ortsgruppe ausgegeben.

21. April 1951:

Bericht durch Gfrd. Wolfert über die Landeskonferenz in Dresden vom 31.3. - 1.4.1951, (anwesend waren 271 Delegierte).

Auch Kleingärtner haben Verpflichtungen für den Fünfjahrplan! Schwerpunkt für die weitere Arbeit ist der Obstanbau.

Die Erfahrungen der sowjetischen Forscher Mitschurin und Lyssenko sollten in den Gärten genutzt werden, dazu sind in den Vereinen Schulungen zu organisieren.

Friedensaufruf gegen die Kriegstreiber.

Die Rückgabe von eingezogenem Vereinseigentum ist noch nicht möglich.

Weitere Schulungen durch Herrn Martin am 21.4., 19.5. und 14.7.1951. Am 4.11.1951 Fachberatung, ebenfalls durch Herrn Martin - Einladung auch an andere Vereine.

Aus dem Jahresbericht 1952 - 53 der Sparte "Aue-Eichert" v. 28. März 1953:

Mitgliederstand: 331 aktive, 33 passive Mitglieder. Eine Obstbaumzählung fand statt.

Seit dem 2. März 1952 ist das Vereinsheim "Gartenlaube" zur Nutzung freigegeben, bleibt aber im Besitz der Stadt.

Kulturelle Aktivitäten: Garten- u. Kinderfest, Fachvorträge, Lichtbildervortrag, politische Diskussion, Osterfrühschoppen, Jahreswendfeier, Vogelschutz durch Gfrd. Hecker.

Zentra Wismut hilft mit 7 000 DM bei der Instandsetzung der Kegelbahn, dafür kostenlose Nutzung, im Sommer dient die Gaststätte (Pächter HO-Wismut) als Kinderferienlager.