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Aus den Niederschriften von Ernst Weiß

Nach der allgemeinen Darstellung des Aufbaus der Organisation der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter sollen einige durch Bearbeitung gekürzte Auszüge der Niederschrift des langjährigen 1. Kreisvorsitzenden Ernst Weiß auf konkrete Situationen verweisen:

Die Neuorganisation des Kleingartenwesens wurde einer Regierungsverordnung des Ministerium für Land- und Forstwirtschaft zufolge dem "Freien Deutschen Gewerkschaftsbund" übertragen.

Der Beschluß hierzu wurde am 21.5.1949 in Dresden gefaßt.

Ohne Fachkenntnis und noch weniger politischer oder organisatorischer Erfahrung, übernahm der Gartenfreund Ernst Weiß die Funktion des Kreisvorsitzenden. Martin Rehm war ihm eine Stütze im Organisatorischen und Alfred Arnold führte die Kassengeschäfte.

Weiter gedenkt er seines Stellvertreters Ernst Hahner, der auch der Verbindungsmann zum Bezirk war, der Gartenfreunde Ewald Zöbisch und Hugo Epperlein von Aue - Eichert I, des Schriftführers Arno Lauterbach und des Siedlers Kurt Wötzel.

Pachtverträge mit Räten der Städte und Gemeinden und kirchlichen Behörden wurden geschlossen.

Der Rückführung der Gartenheime "Gartenlaube" u. "Prießnitz" gingen mehrere Aussprachen voraus, 1952 wurden sie freigeben, die Kegelbahnen instandgesetzt und die Gastronomie verpachtet.

Die Höhe der Mitgliedsbeiträge und einer damit verknüpften Versicherung waren 1953 und 1954 mehrmals Beratungsthema.

Den Kleingärtnern haftete der Ruf der "Unpolitischen" an, so gestalteten sich Verhandlungen mit der SED-Kreisleitung in den frühen Jahren schwierig. Die Leistungen der Gärtner bei der Obstversorgung, oder der Kleintierhalter bei der Bereitstellung von Fleisch und Eiern fand Anerkennung, als abrechenbare Ergebnisse vorlagen und sich die Spendenfreudigkeit der Gärtner und Züchter bei besonderen Anlässen zeigte. Aber noch 1955 wurde das geringe Verständnis der Öffentlichkeit beklagt und welche Schwierigkeiten den Vereinsmitgliedern bei der Bereitstellung von Düngemitteln, Material, Futtermitteln oder von Lokalen zu Fachausstellungen bereitet wurden.

Am 20.12.1952 fand erstmals eine Kreisvorstandssitzung mit Vertretern von Kleintiersparten statt.

Es war der Vertreter der Kaninchenzüchter, der hier und zu einem späteren Zeitpunkt Widerstand bzw. Passivität zeigte, wenn es um den Aufbau der gemeinsamen Organisation ging. Zur Kreisdelegiertenkonferenz am 22.3.1953 fanden sich wieder Gärtner, Siedler und Kleintierzüchter zusammen.

Per 30.6.1954, nach Ausgliederung der Schneeberger Sparten und der schon früher erfolgten Trennung von Schwarzenberg, setzte sich der Kreisverband aus folgenden Sparten zusammen:

Kleingärtner 28; Siedler 7; Rassekaninchen 6; Rassegeflügel 16; Imker 1; Ziegen u. Schafe 6; Rassehunde 6 und Edelpelztierzüchter 1. Mitgliederzahl 4 781.

Die Berufung von Ernst Weiß in den Kreisausschuß der Nationalen Front gab ihm die Möglichkeit, den verantwortlichen Funktionären die Wichtigkeit der Verbandstätigkeit für die Erzeugung von Nahrungsmitteln, Fellen und Wolle darzulegen. 1955 kamen 241.000 Stück Eier und 22.000 Felle zur Ablieferung. Die VdgB-BHG stellte folgerichtig Kollegen Weiß als Kandidaten für die Wahlen zum Kreistag auf (1955).

Der Fachrichtung Kaninchen entstanden große Verluste durch Auftreten der Myxomatose.

Im September 1956 konnte in Affalter eine Lehr- u. Leistungsschau aller Fachrichtungen statt-finden, Bürgermeister Küchler stellte unbürokratisch den Ausstellungsraum zur Verfügung.

Bei den Geflügelzüchtern trat ein neues Problem auf, die Geflügelpest, als Ursache wurde der Import ausländischen Geflügels festgestellt.

Infolge Arsenvergiftung durch Abgase der Nickelhütte Aue starben 470 Bienenvölker in Lößnitz, weitere ca. 1 000 Völker wurden geschädigt. Der volkswirtschaftliche Schaden wurde auf

250.000 DM geschätzt. Die Verhandlungen wegen Entschädigung wurde auf höhere Weisung abgebrochen. Es erfolgte eine Anordnung, die Bienenhaltung aus den geschädigten Räumen zu verlagern bzw. zu verbieten (1958).

Wichtige staatspolitische Maßnahme: am 28.Mai 1958 wurden die Lebensmittelkarten abgeschafft!

In der Rudolf-Breitscheid-Str. 37 oder 39 bestand die Möglichkeit einer Geschäftsstelleneröffnung, im gleichen Jahr 1958 wurde die Meinung der Mitglieder zur Gründung eines Zentralverbandes gehört.

Der Aktivität der Zuchtfreunde Johannes Goldhahn (Bernsbach) und Berthold Triebel (Bockau) war die Verbesserung der Versorgung mit Körnerfutter für Rassegeflügel und weiteren Tierhaltern zu danken.

1962 wurde eine neue Geschäftsstelle in Aue, Ernst-Thälmann-Str. 37 eingerichtet. Im Kreisgebiet wurden 26 Gartenheime, allerdings mit sehr unterschiedlichem Niveau, bewirtschaftet.

Zum 1. Verbandstag des "VKSK" in Leipzig, am 6. und 7. April 1963, waren 3 Delegierte gewählt, das neue Statut des "Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter" wurde beschlossen und das alte Statut außer Kraft gesetzt.

Die Verbandsmitglieder erbrachten 60 % des Eieraufkommens im Kreis (ca. 182.455 Stück.),

1 kg Körnerfutter gab es für die Ablieferung von 5 Eiern.

Zu Ehren der Volkswahlen wurde eine Leistungsschau aller Sparten durchgeführt - 4000 Besucher.

Einführen der Leistungskarten: Vom Rat des Kreises wurden Geldprämien zur Verfügung gestellt, um gute Leistungen bei der Abgabe von Eiern, Honig, Geflügel- u. Kaninchenfleisch zu würdigen (1963).


Zum "Fest des Liedes und des Tanzes 1963 wurden 120 Stck frisch geschlachtete Kaninchen frei verkauft.

1965: Die Einführung der 5-Tage-Arbeitswoche war auch für den "VKSK" von Bedeutung. Um die Freizeit sinnvoll nutzen zu können, wurden nach Rücksprache mit der Abt. Landwirtschaft und dem Bürgermeister von Aue landwirtschaftlich nicht nutzbare Flächen für die Anlage von Kleingärten zur Verfügung gestellt. Neu war ebenfalls, daß die Frauen durch ihre Unterschrift auf Pachtverträgen und durch Beitragszahlung gleichberechtigte Mitglieder im Verband werden sollten.

So entstanden die Sparte "Glück Auf" an der Lößnitzer Straße, die Anlage 7. Oktober an der Schwarzenberger Str., "Neues Erzgebirge" hinter der Wismut-Poliklinik und die Anlage "Schöner Blick" hinter dem Krankenhaus. Sie dachten aber nicht nur an die eigene Parzelle, sondern errichteten in vielen Arbeitsstunden auch Gemeinschaftsanlagen, wie Gartenheime, um die gesellschaftspolitische Arbeit in den Sparten des VKSK zu aktivieren, dabei sollten auch die Bürger der Wohngebiete einbezogen werden. Ebenso wurden in den Gartenheimen Spartenveranstaltungen sowie Familienfeiern, vorzugsweise für Kleingärtner durchgeführt.

Mit den Niederschriften von Ernst Weiß endet die Rückschau auf die Gründerjahre des "Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter" des "VKSK".